Pellets und SNP als Erlösbringer
Pellets und Sägenebenprodukte (SNP) zeichneten sich im gesamten Jahr 2022 als herausragende Erlösquellen aus. Diese Kombination von Marktentwicklungen machen 2022 wohl zum zweitbesten Jahr der vergangenen 100 Jahre. Dies trifft besonders auf die sechs großen österreichischen Holzindustrieunternehmen zu. Diese sind nicht nur groß, sondern auch hochintegriert. Einzige Ausnahme: das unorthodoxe niederösterreichische Großsägewerk der Holzindustrie Maresch (siehe Kasten unten).
Vieles bemerkenswert
Besonders bemerkenswert waren 2022 mehrere Entwicklungen:
- Seit dem Krisenjahr 2013 haben sich die Umsätze innerhalb von zehn Jahren verdreifacht, das EGT stieg von 10 Mio. € auf 744 Mio. €.
- Im Vorjahr lag das mittlere EGT bei 18 % des Umsatzes. 2021 waren es noch 26 %.
- Fünf der sechs Unternehmen steigerten ihre Umsätze weiter.
- Der Umsatz von Binderholz stieg durch die Integration von BSW um 80 % auf fast 2,5 Mrd. €.
- Das EBT von Binderholz erreichte 440 Mio. €. Es ist damit fast so hoch wie die EBT/EGT-Summe der Pfeifer Group, Mayr-Melnhof Holz und der Holzindustrie Maresch.
- Interessant ist auch, dass die Holzindustrie Maresch ihre hohe Umsatzrentabilität halten konnte, während sie bei anderen Unternehmen im Vergleich zu 2021 nachließ.
- Bei integrierten Standorten performte 2022 die Weiterverarbeitung besser als die Sägewerke.
- Die Holzindustrie Maresch hat mit 5 % den mit Abstand geringsten Personalkostenanteil. Die anderen liegen im Mittel bei 11 %.
Ausgewählte österreichische Holzindustrien; Werte in Mio. €, Prozentwerte Veränderung zum Vorjahr; *: hier EBT statt EGT | ||
Unternehmen | in Mio. € | Diff. i. % |
---|---|---|
Binderholz* | 440 | –1 |
Pfeifer Group | 267 | –10 |
Mayr-Melnhof Holz* | 145 | +11 |
Holzindustrie Maresch | 64 | ± 0 |
Hasslacher Holding | 62 | –42 |
Johann Offner Holzindustrie | 35 | –5 |
Ausgewählte österreichische Holzindustrien; Werte in Mio. €, Prozentwerte Veränderung zum Vorjahr | ||
Unternehmen | in Mio. € | Diff. i. % |
---|---|---|
Binderholz | 2.493 | +80 |
Pfeifer Group | 1.226 | +21 |
Mayr-Melnhof Holz | 1.063 | +32 |
Hasslacher Holding | 624 | +3 |
Holzindustrie Maresch | 222 | ±0 |
Johann Offner Holzindustrie | 149 | +9 |
Ausgewählte österreichische Holzindustrien; Werte in Mio. €, Prozentwerte Veränderung zum Vorjahr | ||
Unternehmen | Werte in % | Diff. i. % zu VJ |
---|---|---|
Holzindustrie Maresch | 29 | ±0 |
Johann Offner Holzindustrie | 24 | –3 |
Pfeifer Group | 22 | –7 |
Binderholz | 18 | –14 |
Mayr-Melnhof Holz | 14 | –2 |
Hasslacher Holding | 10 | –8 |
Ehrgeizige Umsatzziele erreicht
2022 konnte Mayr-Melnhof Holz als einzige ausgewählte Holzindustrie das EBT steigern (+11 %) © holzkurier.com
2022 wurden neben Binderholz auch Pfeifer Group und Mayr-Melnhof Holz als Unternehmen mit Umsätzen von über 1 Mrd. € ausgewiesen. MM-CEO Richard Stralz formulierte bereits im Dezember 2021 gegenüber dem Holzkurier: „1 Mrd. € Jahresumsatz war ein Businessziel, das wir nun mit dem [Anmerkung: Bergkvist-] Deal 2022 schaffen werden“ – so war es dann auch.
Mayr-Melnhof Holz war überdies das einzige Unternehmen, das 2022 sein EBT steigern konnte (+11 %), während die anderen Einbußen hinnehmen mussten.
Die kumulierten Jahresergebnisse aller sechs Unternehmen lagen zwar rund 50 Mio. € unter denen von 2021, waren aber mit 744 Mio. € weiterhin extrem hoch.
Jahr der Akquisitionen
2022 war auch ein Jahr großer Akquisitionen in der Branche. Binderholz schloss im Januar die Übernahme von BSW ab, Mayr-Melnhof Holz folgte im Februar mit der Übernahme der Bergkvist Siljan-Gruppe. Die Hasslacher Group tätigte drei Zukäufe in Österreich (Gemson, Lau Forstservice und Holzbau Hofer).
Verbindlichkeiten steigen markant
Diese Investitionen und Akquisitionen führten zu einem merklichen Anstieg der Verbindlichkeiten. Binderholz erhöhte seine Verbindlichkeiten um 626 Mio. €, Mayr-Melnhof Holz um 210 Mio. €. Heuer zog das Zinsniveau kräftig an. Bei unterstellten zumindest 6% Zinsen gibt es für diese Unternehmen in den Folgejahren nicht unerhebliche Aufwände für diese Position.
Im Gegensatz dazu reduzierte die Pfeifer Group die Verbindlichkeiten um 30 Mio. € auf 55 Mio. €, was ihr Eigenkapitalverhältnis auf 70 % verbesserte.
Die Holzindustrie Maresch konnte ihre beeindruckende Umsatzrendite von 29 % halten, gefolgt von der Johann Offner Holzindustrie und der Pfeifer Group mit Renditen über 20 %. Aufgrund des gestiegenen Umsatzes bei konstantem EBT sank die Marge von Binderholz auf 18 %, gefolgt von Mayr-Melnhof Holz mit 14 %.
Russische Standorte letztmalig in Bilanz
Zuletzt ist anzumerken, dass 2022 das letzte Jahr war, in dem Mayr-Melnhof Holz und die Hasslacher Holding ihre russischen Sägewerksstandorte in ihren Bilanzen auswiesen. Beide wurden verkauft. In den Vorjahren brachten diese gute Erträge, doch schon bei den Bilanzen 2021 mussten Drohverlustrückstellungen eingebucht werden.
Bilanzanalyse: Österreich 2022
In den vergangenen zehn Jahren analysierte der Holzkurier die Konzernbilanzen von Mayr-Melnhof Holz, der Pfeifer Group, von Binderholz, der Hasslacher Holding, Maresch Holzindustrie, Johann Offner Holzindustrie sowie Donausäge Rumplmayr. Auswahlkriterien waren ein Einschnitt von mindestens 500.000 fm/J und der Sitz in Österreich. (Deshalb fehlen Stora Enso sowie die HS Timber-Gruppe, welche keine Sägewerke im Inland betreiben.) Seit der Bilanz 2021 konzentrieren wir uns nur noch auf sechs Unternehmen: Pfeifer Group, Imst (1); Binderholz, Fügen (2); Hasslacher Holding, Sachsenburg (3); Offner Holzindustrie, Wolfsberg (4); Mayr-Melnhof Holz, Leoben (5); Holzindustrie Maresch, Retz (6).
Bei der Johann Offner Holzindustrie wird KLH nicht berücksichtigt. Es handelt sich also um reine Sägewerkszahlen, genauso wie bei der Maresch Holzindustrie. Die übrigen vier sind voll integrierte Holzindustrien mit internationalen Standorten.