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Zufriedene Gesichter in Schwand: Geschäftsführer Josef Speckner mit Kurt Mühlböck (v. li.) © DI Alexander Klingler

Wirtschaftlich Holz trocknen

Ein Artikel von DI Alexander Klingler | 01.05.2013 - 17:00
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800 Paletten passen in eine der insgesamt vier Kammern bei Speckner Palettenwerk © DI Alexander Klingler

Wenn der Marktpreis für eine Palette bei 8 € liegt, heißt es vor allem eines: Gut kalkulieren. Anders sieht es in der Sägeindustrie auch nicht aus. Bei dem derzeitigen Rundholzpreisniveau und den steigenden Energiepreisen muss man sich seiner Produktionskosten bewusst sein. Das Thema Energiekosten bei der Holztrocknung hat sich Mühlböck Trocknungstechnik zu Herzen genommen. „80 % der Trocknungskosten werden bei der Nadelholztrocknung durch die thermische Energie verursacht“, informiert Kurt Mühlböck, Geschäftsführer der Trocknungsspezialisten. 10 % der Kosten fallen für die Ventilatoren an und die restlichen 10 % rechnet er für Investitions- und Finanzierungskosten. In Zahlen ausgedrückt, sind das 10 bis 20 €/m3 Schnittholz. Mit der neuen 1003-Serie können die Energiekosten um bis zu 50 % gesenkt werden.

Abwärme nutzen

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Zufriedene Gesichter in Schwand: Geschäftsführer Josef Speckner mit Kurt Mühlböck (v. li.) © DI Alexander Klingler

Bei herkömmlichen Frischluft-Abluft-Kammern geht die gesamte, durch die Heizung eingebrachte Wärmeenergie über die Abwärme verloren. Nicht nur Holzkurier-Leser kennen die Schwaden über den Trockenkammern bei Sägewerken. Mithilfe von Wärmerückgewinnungen kann ein Teil der Energie wieder zurückgewonnen werden. Mit dem Typ 603 hat man dies schon 2007 umgesetzt. Jetzt gingen die Oberösterreicher noch einen Schritt weiter. Die Grundidee ist, die warme gesättigte Abluft aus der Trocknung über ein spezielles Wärmerückgewinnungssystem zu schicken, um Zuluft auf ein niedrigeres Temperaturniveau für die Trocknung in einer anderen Trockenkammer zu erwärmen. Der Anwender arbeitet also mit mindestens zwei Kammern. Alle Trockenkammern in diesem Kammerverbund können sowohl im herkömmlichen Betrieb mit Aufheizung durch ein Heizregister als auch zur Vortrocknung über dem Fasersättigungspunkt (FSP) betrieben werden. Für die Vortrocknung wird keine Wärme aus der Heizanlage benötigt. Welche Funktion die Kammer im Betrieb hat, steuert die Regelung.In der Vortrocknung herrscht dabei ein Klima, bei welchem die Abtrocknungsrate genauso hoch ist wie im herkömmlichen Betrieb bei der Nachtrocknung unter dem FSP. Die niedrige Temperatur für die Vortrocknung hat noch einen Vorteil: Innerhalb der Charge sind die Holzfeuchteschwankungen der getrockneten Ware geringer. Im Nachtrockner unter dem FSP gelten andere Gesetze. Hier muss die Temperatur hoch sein, um das gebundene Wasser aus dem Holz entfernen zu können.Mühlböck nutzt 100 % der Abluft aus der Nachtrocknung für den Vortrockner. Die Oberösterreicher versprechen eine Reduktion des thermischen Energieverbrauchs um 50 %.

Keine graue Theorie

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Die neueste Generation der Mühlböck-Trockner vom Typ 1003 ist beim Palettenwerk Speckner mit vier Kammern ausgeführt © Mühlböck Trocknungsanlagen

In der Praxis bei Speckner Palettenindustrie, Schwand, arbeitet man mit vier Trockenkammern, wobei dazu zwei bestehende Kammern auf das neue Trocknungssystem aufgerüstet wurden. Die Trockner braucht der Geschäftsführer Josef Speckner aus zwei Gründen. „Um die IPPC-Anforderung zu erfüllen, müsste ich die Paletten einer Temperatur von 56° C für 30 min aussetzen. Dann hätte ich das Problem, dass es zur Schimmelbildung in den Transportcontainern kommt“, so Speckner. Qualität ist für ihn die oberste Prämisse: „Reklamation kann ich mir nicht leisten. Deshalb muss die Qualitätspalette getrocknet sein.“ Durch die Trocknung auf unter 20 % Holzausgleichsfeuchte eliminiert Speckner diese Probleme. Für die Trocknungsspezialisten aus Oberösterreich hat sich Speckner nicht nur aufgrund der Referenzen Mühlböcks entschieden. Das Thema Energieeffizienz und die Kapazitätserweiterung spielten ebenfalls eine übergeordnete Rolle. „Mit derselben Wärmemenge wird nun die doppelte Holzmenge getrocknet“, rechnet Mühlböck vor.

Neuer Look

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Die Höhe der Kammer unterscheidet sich deutlich von gewöhnlichen Frischluft-Abluftkammern © DI Alexander Klingler

Optisch unterscheiden sich neuen die Kammern recht deutlich von herkömmlichen Trockenkammern. Sie sind in etwa ein Drittel höher als ihre kleinen Brüder. Über dem Trocknungsraum ist eine Schaltwarte, wo der Wärmetausch stattfindet. In diesem Raum befinden sich neben dem Wärmerückgewinnungssystem die unterschiedlichen Luftklappen, welche den Betrieb der einzelnen Trockenkammern in den jeweiligen Betriebszuständen gewährleisten. Durch diese praktische Anordnung können auch Isolationsverluste von den Trockenkammern nach oben hin kompensiert werden.

Auch für Kanaltrockner

Das System 1003 konnte ebenfalls für Kanaltrockner erfolgreich umgesetzt werden. Es gibt bereits vier Anlagen. Ein Projekt, welches bereits 2011 im Holzkurier vorgestellt wurde, ist eines der flächenmäßig größten Kanaltrocknerprojekte bei HIT Holzindustrie in Torgau/DE (Holzkurier 50, S. 25)

Aus einer Hand

Stolz sind die Oberösterreicher darauf, dass sie alles aus einer Hand liefern können und sie den Kunden über die Inbetriebnahme hinaus nachbetreuen können. „Ich bin mit dem Service und der Betreuung von Mühlböck sehr zufrieden“, so Speckner. Aktuell wird die Installation in Schwand abgeschlossen. „Für uns macht es keinen Unterschied, ob ein Kunde 100 oder 1000 Kilometer entfernt ist“, äußert sich der Mühlböck-Geschäftsführer Kurt Mühlböck zum Vertrieb des Unternehmens. Das stimmt: Auch beim Sägewerk Saldus in Lettland läuft die neueste Generation eines Kanaltrockners vom Typ 1003 von den Trocknungsspezialisten aus Oberösterreich.
Mühlböck Trockungsanlagen
Gründung: 1981
Geschäftsführer: Ing. Kurt Mühlböck, Marianne Mühlböck
Standorte: Eberschwang, Hartberg
Sortiment: Frischluft/Abluft-Trockner, Kanaltrockner, Hackgut- und Spänetrockner, Vakuumtrockner, Dämpfkammern, Spezialtrockner, Trocknungsmanagement Vertrieb:weltweit

Palettenwerk Speckner
Gründung: 1965
Geschäftsführer: Josef Speckner
Umsatz: 9 Mio. €
Produktionsmenge: 1 Mio. Paletten
Mitarbeiter: 20
Standort: Schwand im Innkreis
Produkte und Service:Paletten, Kisten, Aufsetzrahmen, Dienstleistungen um Holzverpackungen: Reparatur, Beratung, Entwicklung, Erstellen von Spezifikationen Vertrieb:Österreich, Deutschland