Für den sechstgrößten Einzelstandort in Deutschland ging am 8. Mai ein Übernahmeantrag beim Bundeskartellamt ein. Der Kaufinteressent ist der Private Equity Fonds „ESSVP IV“. Dieser wird beraten von Orlando Management, München/DE.
In der Holzbranche sind die von Orlando beratenen Fonds vor allem durch den Aufbau des Vivonio-Möbelkonzerns, München/DE, und die Übernahme der schwedischen Sägewerksgruppe Siljan, Mora/SE, bekannt. Fastrich unterstreicht das Interesse und die Affinität der Fonds zur Holzbranche.
Auslastungs- und Ausbeutepotenzial nutzen
Die US-Fondsgesellschaft Carlyle übernahm Klenk Holz 2013 mit der Prämisse, dieses Unternehmen gewinnbringend nach kurzer Zeit weiterzuverkaufen. Das will ESSVP IV anders machen und wollte das schon damals: Als Carlyle die Klenk-Gruppe 2013 verkaufte, war man nur zweiter Sieger im Bieterverfahren. ESSVP IV geht es um die Entwicklung langfristiger Perspektiven.
Für Fastrich steht das Wachstum des Unternehmens im Vordergrund. Das Potenzial sieht Fastrich vor allem in einer höheren Auslastung und intensiven Marktbearbeitung begründet. Für den Standort Torgau bedeutet dies wohl eine Erhöhung der Mitarbeiterzahl.
Der Investoren-Gruppe, welche aus vielen vor allem institutionellen Geldgebern besteht, ist eine reibungslose Nachfolge wichtig. Ein neuer Geschäftsführer soll neben den beiden bisherigen eingesetzt werden. Die bisherigen Eigentümer und Geschäftsführer, Günther Hilmer und Karlheinz Lippmann, wollen sich schrittweise in einem noch offenen Zeitraum aus der Geschäftsführung in eine Beraterrolle zurückziehen. „Auf eigenen Wunsch und in enger Abstimmung“, wie Fastrich betont. Hilmer und Lippmann bleiben jedenfalls 10 %-Gesellschafter der HIT.
Über den Kaufpreis herrscht Stillschweigen. Orlando Management berät mit ESSVP IV einen 320 Mio. € schweren Fonds, dessen Kapital gezielt in mittelständige Unternehmen in Umbruchsituationen investiert werden soll. Altlasten der HIT, die durch eine Querfinanzierung von dem Windenergie-Experten Prokon angefallen sind, sind durch eine solide Refinanzierung gedeckt, heißt es.
Einzelfallweise Entscheidungen
Die Frage, ob weitere Investitionen in andere Holzindustrien getätigt werden, beantwortet Fastrich nicht pauschal. Wichtig ist für den Berater die einzelfallweise Entscheidung. Weitere Investitionen in die Paletten-Branche schloss er definitiv nicht aus.
Die endgültige Übernahme wird in den nächsten Wochen erwartet.
Jahr | Ereignis |
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1908 | Gründung der Heeresmunitionsanstalt Süptitz auf einer Fläche von 200 ha |
1934 | Umwandlung des Geländes zur Heeresmunitionsanstalt Torgau |
1945 | Munitionslager der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland, Stadtcharakter mit 1000 Beschäftigten |
1993 | Übergang des Geländes an das Land Sachsen. Schlechter Zustand, die Bundeswehr beseitigt die zurückgebliebenen Kampfmittel. |
1996 | Geschäftsführer Günther Hilmer erwirbt Gelände mit Investitionsverpflichtungen von 1 Mio. DM. |
1997 | Beginnende Planung für einen Holz verarbeitenden Betrieb |
1998 | Baugenehmigung für eine Nutzungsänderung zum Zweck einer Rundholzproduktion liegt vor. |
1999 | Unternehmen HIT GbR wird von Günther Hilmer und Karlheinz Lippmann gegründet. |
1999–2001 | Die erste Investitionsphase beginnt. Alte Gebäude werden abgerissen und umgebaut. Es werden moderne Maschinen erworben und ein Dieselblockheizwerk wird errichtet. |
2002–06 | Ein kontinuierlicher Anstieg der Produktions- und Mitarbeiterzahlen erfolgt. |
2006 | Unternehmen erreicht Einschnitt von 300.000 fm/J. 130 Mitarbeiter sorgen für einen Jahresumsatz von 24 Mio. €. Die Geschäftsführung beschließt eine zweite Investitionsphase mit dem Sprung vom Schnittholz- zum Fertigproduzenten im Bereich Paletten (Ausrüster: Corali). Mit Abschluss der Ausbauarbeiten steigt Einschnittskapazität zunächst auf 500.000 fm/J. |
2007 | Der 40 Mio. €-Ausbau schreitet voran. Veisto installiert eine Spanerlinie. Zusätzlich werden zwei Gatterlinien errichtet. Secea errichtet sieben Trockenkammern sowie weitere Trockentunnel. Die Entsorgung wird von Haas Recycling übernommen. Ein KWK mit einem Urbas-Kessel wird errichtet. |
2008 | Ein neuer Palettentrockner von WSAB wird in Betrieb genommen. 3,6 Mio. Paletten werden produziert. Drei Vielblatt-Kreissägen von Costa Righi werden geliefert. Jahreseinschnitt: 500.000 fm; Mitarbeiter: 260; Umsatz: 46 Mio. € |
2009 | Am 4. Juni zerstört ein Feuer eine Halle inklusive des Schärfraums sowie Teile des Rundholzlagers. Schadensbilanz: 3 Mio. €. Jahreseinschnitt: 420.000 fm; Mitarbeiter: 313; Umsatz: 37 Mio. € |
2010 | Die Prokon-Unternehmensgruppe wird Partner der HIT. Prokon stellt der HIT insgesamt 250 Mio. € Kreditrahmen zur Verfügung und übernimmt alle Verbindlichkeiten des Unternehmens. Die dritte Investitionsphase wird vorbereitet. Der Jahreseinschnitt soll mit Abschluss der Installationen auf 1,2 Mio. fm steigen. Jahreseinschnitt: 443.000 fm; Mitarbeiter: 453; Umsatz: 50 Mio. € |
2011 | 100 Mio. € sind für den weiteren Ausbau des Sägewerkes, eine weitere Palettenlinie, eine Brikettieranlage sowie die Errichtung eines Biomasse-Heizkraftwerkes von Urbas geplant. Lagerhalle für Paletten soll ebenfalls errichtet werden. Palettenproduktion wird auf 1,2 Mio. Stück im Monat verdoppelt. Auch eine neue Paletten-Kanaltrocknung von Mühlböck wird installiert. 50 ha Fläche sind verbaut. Jahreseinschnitt: 540.000 fm; Mitarbeiter: 540; Umsatz: 86 Mio. € |
2012 | Eine fehlende Baugenehmigung für ein Heizkraftwerk macht zu schaffen. Die Geschäftsführung sieht sich gezwungen, 100 Mitarbeiter zu entlassen. Jahreseinschnitt: 604.000 fm; 591 Mitarbeiter; Umsatz: 112 Mio. € |
2013 | Finale Baugenehmigung für das Heizkraftwerk wird im Mai erteilt. Eine Schadenersatzklage erfolgt und es stehen Überlegungen im Raum, den Betrieb in ein benachbartes Bundesland oder nach Rumänien zu verlegen, wo das Tochterunternehmen Prokon HIT Timber 20.000 ha Wald besitzt. Der Verlust wird später im Jahr auf 6,8 Mio. € geschätzt. Eine Baugenehmigung für eine Palettenklotzfabrik wird erteilt. Jahreseinschnitt: 726.000 fm; 626 Mitarbeiter |
2014 | Geplant ist die Investition in eine weitere Bandsägelinie und einen CT-Scanner. Anfang des Jahres meldet Prokon Insolvenz an. Die Finanzierung der HIT wird nicht infrage gestellt, da die HIT zu diesem Zeitpunkt ein selbstständiges Unternehmen ist und nicht in die Prokon-Gruppe eingegliedert worden ist. Die Kreditverträge laufen bis 2025. Bisher hat die HIT 157 Mio. € des Kreditrahmens in Anspruch genommen. Jahreseinschnitt: 874.000 fm; 650 Mitarbeiter |
2015 | Jahreseinschnitt: 976.000 fm; 605 Mitarbeiter |
2016 | German Pellets zahlt nicht mehr. Der Lohnfertigungsvertrag wird aufgrund ausstehender Zahlungen seitens der HIT gekündigt. Jahreseinschnitt: 1.062.000 fm; 570 Mitarbeiter |
2017 | Die HIT will 100 Mio. € bis Jahresende an Prokon überweisen. Sie hat eine Finanzierung von einer Großbank erhalten und plant die komplette Abzahlung an Prokon bis 2019. Jahreseinschnitt: 726.000 fm; 626 Mitarbeiter |
2018 | Übernahme der Holzindustrie Torgau durch den Private Equity Fonds ESSVP IV |