Scierie Mutelet

Nasse Eiche scannen und auftrennen

Ein Artikel von Martina Nöstler | 24.10.2024 - 10:49

Rund 16.000 fm Eiche schneidet Scierie Mutelet pro Jahr mit einer Bandsäge, wobei die Stämme zum überwiegenden Teil aus dem eigenen Wald kommen. Die Bretter aus dem schöneren, unteren Teil der bis zu 8,9 m langen Stämme werden direkt nach der Bandsäge zu Klotzware (Boules) aufgestapelt und an spezialisierte Holzhändler verkauft. Der Rest, rund 30 % des Einschnitts, wird direkt weiterverarbeitet, sprich: klassifiziert, besäumt beziehungsweise aufgetrennt und anschließend gekappt. Die so entstandenen Friesen verkauft das Sägewerk an die Parkettindustrie. „Unsere Kunden bevorzugen frisches Holz, speziell die Parketthersteller. Damit haben sie die Trocknung selbst in der Hand und können gezielter auf ihre eigenen Produkte eingehen“, berichtet Pierre Mutelet, Eigentümer und Geschäftsführer des Sägewerks.

Investition in die Zukunft

Bisher war die Arbeit nach der Bandsäge ein – vor allem für die Mitarbeiter – sehr aufwendiger Schritt. Um die Produktivität zu steigern, eine höhere Ausbeute zu erzielen und auch die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter zu verbessern, investierte das Unternehmen vor eineinhalb Jahren in eine neue Zuschnittanlage samt einem Scanner von der Weinig-Gruppe. Die Besonderheit: Die mit der Bandsäge aufgetrennten Bretter gelangen direkt zur Weiterverarbeitung. Das heißt, die Anlagen müssen mit nasser Ware zurechtkommen.

„Weinig war der einzige Maschinenhersteller, der uns eine komplette Lösung für den Zuschnitt von sägefrischer Eiche angeboten hat. Besonders überzeugt hat uns die Lösung mit dem Scanner. Weinig hat uns bei dieser speziellen Anforderung begleitet und eine gute Erkennungsqualität erreicht“, informiert Mutelet.

Effiziente Weiterverarbeitung

Schon zuvor hat Scierie Mutelet eine Weiterverarbeitung mit Zuschnitt betrieben. Bisher führten die Mitarbeiter aber vor allem die Qualitätsbeurteilung sowie die Zuführung in die Besäumanlage händisch durch, was sehr anstrengend und zeitintensiv war. Um hier eine Arbeitserleichterung zu schaffen und die Leistung zu erhöhen, entschied man sich bei Scierie Mutelet, in eine neue Zuschnittanlage zu investieren. Der erste Teil des Umbaus mit einer Vielblattkreissäge von Weinig Operations (ehemals Weinig Raimann und Weinig Dimter) und einem Scanner von Weinig Luxscan erfolgte im Frühjahr 2023.

Nach der Bandsäge lassen sich die eingangs erwähnten Bretter für die Klotzware mit einem Vakuumheber separieren. Die Abnahmestation lässt sich auch als Fremdaufgabe nutzen. Im ersten Schritt durchlaufen die nassen Eichenbretter einen Combiscan Sense R200 von Weinig Luxscan. Dieser erkennt die unerwünschten Holzmerkmale und optimiert den weiteren Zuschnitt für die nachfolgende ProfiRip KR 610 M von Weinig Operations.

Nasse Eiche mit KI beurteilen

„Wir haben den Scanner gemeinsam mit Weinig Luxscan weiterentwickelt, um auch nasse Eiche entsprechend qualifizieren zu können. Weinig Luxscan ist der einzige Anbieter, der damit umgehen kann“, bekräftigt Mutelet. Paul Rigaux, Weinig Luxscan-Produktmanager, verweist zudem auf die Ausstattung des Scanners mit künstlicher Intelligenz. Im Querdurchlauf vermisst im Automatikbetrieb noch ein Raiscan die Breite, bevor es in die Vielblattkreissäge geht. Diese wurde in Linksausführung geliefert und verfügt über das Safety Plus-System sowie fünf Sägeblätter, wobei vier variabel einstellbar sind. Die Leistung beziffert man bei Weinig Operations mit rund zehn Brettern pro Minute. Die Anlage ist auf eine maximale Länge von 3,25 m ausgelegt. Die Breiten reichen bis zu 610 mm, die Stärken bis 54 mm im Automatikbetrieb. Auslaufseitig installierte Weinig eine Spreißeltrennung sowie eine Mechanisierung für Rückläufer.

„Die Anlage lässt sich auch ohne Scannerbetrieb – also nur für das reine Auftrennen – nutzen. Damit ist das Sägewerk sehr flexibel aufgestellt“, betont Jürgen Schneider, der das Projekt gemeinsam mit Frederic Reynard seitens der Weinig-Gruppe federführend betreut hat. Er verweist im Gespräch vor allem auf eine weitere Besonderheit: „Da nasse Eiche ja bekanntlich im Kontakt mit Metall mit Verfärbung reagiert, haben wir sämtliche Querketten und Druckrollen gummiert ausgeführt.“

Im nächsten Schritt gelangen die besäumten und aufgetrennten Eichenbretter zur Kappanlage. „Wir haben schon bei der Planung der ersten Ausbaustufe darauf geachtet, in einem weiteren Schritt die Kappanlage mit einer Mechanisierung sowie einen zweiten Scanner einzubinden“, erläutert Schneider. Im Frühling 2024 lieferte Weinig den Scanner des Typs Combiscan Sense C200. Die bereits bestehende Kappanlage von Weinig Operations, eine OptiCut 260, kappt die erneut qualifizierte Ware entsprechend des Optimierergebnisses. Die gekappten Friesen werden nach Qualität, Breite und Länge sortiert und gestapelt. „Wir haben 180 Sortimente“, spezifiziert Mutelet. Diese zweite Ausbaustufe wird in Kürze vollständig in Betrieb genommen.

Individuelle Lösungen für jede Betriebsgröße

Mutelet ist sich sicher, mit dieser Investition einen bedeutenden Schritt in die Zukunft gesetzt zu haben. Dies betrifft einerseits die Entlastung der Mitarbeiter und andererseits die Steigerung der Produktivität. „Wir bieten für jede Betriebsgröße und jedes Budget eine passende Lösung – samt der dazugehörigen Mechanisierung vor und hinter den Anlagen“, bekräftigt Schneider.

Scierie Mutelet

Standort: Rahon/FR

Gegründet: 1899

Geschäftsführer/Eigentümer: Jean Marie, Henri und Pierre Mutelet

Mitarbeiter: 26

Umsatz: 10 Mio. €/J

Einschnitt: 16.000 fm/J, ausschließlich Eiche

Produkte: Klotzware (Boules), Friesen/Zuschnitte für die Parkettindustrie, Schnittholz, Kanteln/Rahmen